FAZ 14.09.2026
14:35 Uhr

Wahl in Rheinhessen: Neue Weinkönigin will Lehrerin werden


Rheinhessen hat drei neuen Majestäten die Krone aufgesetzt. Ein Jahr lang sollen sie nun Werbung für Wein und Winzer aus dem „Land der 1000 Hügel“ machen.

Wahl in Rheinhessen: Neue Weinkönigin will Lehrerin werden

Die Herrschaft der rheinhessischen Weinmajestäten ist stets auf ein Jahr begrenzt. Daher müssen die am Samstag in Ingelheim gekrönten Würdenträgerinnen – die 24 Jahre alte Weinkönigin Sophia Heidenreich sowie ihre beiden Prinzessinnen Jeanette Goldschmidt und Lisa Wolf – schon jetzt an ihre bürgerliche Zukunft denken. Diese dürfte in allen drei Fällen weiterhin, aber eben nicht nur, mit Reben und Rheinhessen zu tun haben. So studiert die aus Harxheim stammende Weinberaterin und Social-Media-Expertin Heidenreich Deutsch und Biologie an der Universität Mainz, um später einmal, wenn die royalen Pflichten erfüllt sind, als Gymnasiallehrerin arbeiten zu können. Die 24 Jahre alte Prinzessin Goldschmidt aus Worms-Pfeddersheim, deren Eltern dort als Öko-Winzer tätig sind, hat nach ihrer Ausbildung zur Logopädin ein Pädagogikstudium aufgenommen. Und die Dritte im Bunde, die 25 Jahre alte, reisefreudige Schwabenheimerin Wolf, plant, irgendwann fest im Weingut der Eltern einzusteigen. Werbung für Weine und Winzer Dass alle drei Bewerberinnen, die sich in einem Vorentscheid qualifiziert hatten, über reichlich Weinwissen und die erforderliche Persönlichkeit verfügen, wurde beim Finale in der mit rund 400 Gästen gut gefüllten Ingelheimer Kulturhalle recht schnell klar. „Sie übernehmen nun in einer für die Weinwirtschaft anspruchsvollen Zeit eine wichtige Aufgabe“, sagte Stefan Braunewell, Vorstandsvorsitzender des für die Vermarktung der Region zuständigen Vereins Rheinhessenwein, am Ende des langen Abends. Auf einigen Hundert Veranstaltungen sollen die Majestäten im In- und Ausland in den nächsten Monaten von der Arbeit der Winzer im „Land der 1000 Hügel“ berichten – und ihre Zuhörer von der Qualität der zwischen Mainz, Worms, Alzey und Bingen produzierten Weine überzeugen. Auch in Deutschlands größtem Anbaugebiet, das in 132 Gemeinden insgesamt etwa 27.500 Hektar bestockte Rebfläche und fast 2000 Winzerbetriebe zu bieten hat, wurde ungewöhnlich früh, nämlich im August, mit der Lese begonnen.  Dabei machen Weißweine wie Riesling, Müller-Thurgau und Grauburgunder mit 75 Prozent weiterhin den größten Anteil aus. Aktuell dürften sich aber besonders jene Winzer freuen, die rote und international stark nachgefragte Sorten wie Spätburgunder an- und ausbauen: Diese hätten den trocken-heißen und sonnigen Sommer meist besser vertragen, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim. Was ebenso für Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah gelte, die trotz des allgemein festzustellenden Trends zu leichten Weißweinen in Rheinhessen immer öfter zu finden seien. Tatsächlich beklagen die Winzer in diesem Jahr, in dem bis auf Riesling schon viel gelesen sei, große Reife-Unterschiede, was vor allem mit der Wasserversorgung am jeweiligen Standort zusammenhänge. Während alte Rebstöcke mit zum Teil zehn Meter in die Tiefe reichenden Wurzeln mit der Trockenheit ganz gut zurechtgekommen seien, hätten viele junge Reben sehr unter der Dürre gelitten. Erwartet wird ein qualitativ hochwertiger, aromatischer Jahrgang, wobei der Ertrag zum Teil um bis zu 20 Prozent niedriger ausfallen dürfte als im langjährigen Mittel.